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Nachhaltiger und ethisch korrekter Mobilfunk lassen sich besser etablieren, wenn Akteure an einem Strang ziehen. Dieser Grundgedanke hat jetzt zur Gründung des Kollektivs FairTEC geführt. Mit dabei sind der niederländische Smartphone-Hersteller Fairphone, der deutsche Mobilfunkanbieter WEtell, das Betriebssystem /e/ und der Handyvermieter Commown aus Frankreich. Geboten wird Dir eine Plattform, mit der Du in Zukunft noch nachhaltiger telefonieren kannst und auf der Veränderungen in der Mobilfunkbranche besser realisiert werden können.

Grüner Mobilfunk erfordert Paradigmenwechsel auf allen Ebenen

Schätzungen zufolge sind digitale Technologien für rund 3,7 % der globalen Treibhausemissionen verantwortlich. Wird nach den Ursachen gesucht, präsentieren sich Smartphones als einer der Hauptverantwortlichen. Pro Jahr werden rund 1,4 Milliarden neue Handys verkauft. Kein Wunder, denn die konventionellen Hersteller überbieten sich mit neuen Features und schüren damit die nie abreißende Nachfrage. Handys werden nicht mehr genutzt, bis wirklich gar nichts mehr geht, sondern häufig schon nach ein paar Monaten wieder ausgetauscht, wenn ein neues Modell auf den Markt kommt. Nur knapp 15 % aller Smartphones werden wieder verwertet oder ordnungsgemäß dem Recycling zugeführt. In diesem Kreislauf aus übermäßiger Produktion, kurzer Nutzungsdauer und permanenter Anbindung an Netzwerke steigen Emissionen kontinuierlich weiter an.

Um die Missstände rund um die intensive und schädliche Nutzung von Handys und die problematische Entsorgung der viel zu früh ausgetauschten Smartphones aufzuheben, ist ein Paradigmenwechsel erforderlich. Gefragt ist ein neuer, nachhaltiger Weg im Umgang mit Mobilgeräten und deren Produktion. Auch faire Geschäftsmodelle spielen in diesem Kontext eine Rolle. Denn die stehen dafür, nicht nur die Umwelt, sondern auch die Daten der Nutzer zu schützen. Um jeden Bereich in der umfangreichen Wertschöpfungskette eines Smartphones zu erfassen, ist es notwendig, Energien zu bündeln.

FairTEC: Im Fokus steht das nachhaltige digitale Ökosystem

Diesen Weg geht jetzt das Kollektiv FairTEC auf gesamteuropäischer Ebene. Grundgedanke der Idee ist, dass die Branche rund um den fairen Mobilfunk selbst und aus sich heraus Lösungen finden und nachhaltigen Service fördern muss. Nur so könnten sich die Auswirkungen ökologisch bedenklicher Produktion und Nutzung von Smartphones langfristig mindern lassen, erklärt FairTEC die zugrunde liegende Motivation. Die Gründung des Kollektivs FairTEC in Zeiten der Corona-Pandemie ist kein Zufall. Denn die Krise hat die Abhängigkeit der Gesellschaft von der Nutzung digitaler Technologien unmittelbar erfahrbar gemacht. Trotzdem sind sich die wenigsten User über die weitreichenden negativen Folgen für Mensch und Umwelt bewusst.

Bei nachhaltigem Mobilfunk geht es nicht nur einfach darum, eine grüne Zukunft zu versprechen. Was benötigt wird, sind konkrete Lösungen, um den Einfluss der konventionellen Industrie zu minimieren und das Verhalten der Verbraucher zu verändern. Faires Telefonieren besteht nicht nur aus einem grünen Handy oder Software, sondern auch aus insgesamt nachhaltigen Geschäftsmodellen. FairTEC hat das komplett nachhaltige digitale Ökosystem im Fokus. Das bedeutet:

  • Modulares Smartphonedesign mit Geräten, die sich leicht reparieren lassen, um Ressourcen zu schonen.
  • Ökonomische Modelle, die auf eine Verlängerung der Lebensdauer von Handys und ihrer Komponenten setzen.
  • Geschäftsmodelle, bei denen sich Handys mieten lassen
  • Vertragsmodelle im Mobilfunk, die Privatsphäre von Kunden schützen und keine Daten verkaufen
  • Tarife mit fairem und transparenten Service, die klimafreundlich konzipiert sind.

Die Unternehmen hinter der Initiative FairTEC

Die Initiative FairTEC wurde von Akteuren aus Frankreich, Belgien und Deutschland ins Leben gerufen. Die Mitglieder erklären in ihrem Manifest, mit FairTEC eine zentrale Plattform zu schaffen, die es Verbrauchern in Zukunft erleichtern auf Produkte und Dienstleistungen rund um digitale Telefonie zugreifen zu können. Gezielt gefördert werden Angebote, die nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft vorgehen – von der Hardware über das Betriebssystem bis hin zu Mobilfunktarifen und Mietangeboten.

Gemeinsam lassen sich die Energien bündeln, um ein breites Bewusstsein für ökologische Themen auf allen Ebenen der mobilen Telekommunikation zu schaffen und die Digitalisierung national und europaweit positiv zu beeinflussen. FairTEC ist kein in sich geschlossener Kosmos, sondern offen, weitere Akteure aus der Branche in das Kollektiv aufzunehmen.

Fairphone

Logo Fairphone
Nachhaltige Produktionsbedingungen und faire Arbeitspraktiken in der Elektronik­industrie – dafür steht das niederländische Unternehmen Fairphone.

Die niederländische Hersteller Fairphone ist einer Hauptinitiatoren für die Gründung von FairTEC. 2010 startete das Unternehmen damit, über Konfliktmineralien aufzuklären. Drei Jahre späte präsentierte Fairphone das erste nachhaltige Smartphone auf dem Markt. Das Unternehmen setzt auf absolute Transparenz in der Lieferkette und möchte den gesamten Prozess der Wertschöpfung positiv beeinflussen. Das bedeutet im Detail, Smartphones mit möglichst geringen Schäden für die Umwelt zu produzieren, sichere und sozial verträgliche Arbeitsbedingungen zu schaffen und die Arbeiter entsprechend zu entlohnen.

Wer ein Fairphone kauft – zu Beginn des Jahres 2017 waren es schon 125.00 Menschen, Tendenz vor allem seit dem neuen Fairphone 3+ deutlich steigend – entscheidet sich für Müllvermeidung, Langlebigkeit, ein modulares System, dessen Teile sich leicht reparieren lassen, Dual-SIM und smartes Recycling. Außerdem werden nur geprüfte Rohstoffe aus konfliktfreien Minen verwendet. Fairphone wurde 2016 mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet.

Für ein Fairphone zahlst Du Preise ab 400 Euro. Das Handy gehört zur gehobenen Mittelklasse mit 64 GB Speicher, austauschbarem Akku mit extrem langer Laufzeit, leistungsstarker Kamera und Android 10. Auf Wunsch kannst Du auch /e/, ein Google-freies Android-System nutzen. Hat das Handy tatsächlich das Ende seiner Lebensdauer erreicht und ist mit einer Reparatur nichts zu machen, sorgt Fairphone mit eigenen Programmen für ein umweltfreundliches Recycling, sodass Rohstoffe wieder genutzt werden können.

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  • Fairphones bisher nachhaltigstes Smartphone
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WEtell

Logo WEtell - Mobilfunk geht auch nachhaltig.
WEtell bietet dir klimaneutralen Mobilfunk aus 100% Ökostrom.

Wenn Du ein faires Smartphone nutzt, brauchst Du auch einen nachhaltigen Mobilfunktarif. Den bietet Dir der deutsche Anbieter WEtell.

Zwischen 15 und 30 Euro zahlst Du für Deinen Handytarif **, der monatlich kündbar ist. WEtell ermöglicht klimaneutralen Mobilfunk. Der beginnt bei der Büroausstattung mit nachhaltigen Möbeln und recycelten Elektrogeräten, Nutzung von Ökostrom bis hin zu Co-Working-Spaces.

Emissionen, sofern sie nicht vermieden werden können, werden durch den Bau von Kohlenstoffsenken kompensiert. WEtell baut außerdem Solaranlagen, die genug Strom für die Nutzung der Tarife produzieren. 1000 installierte Solarmodule sind schon im Einsatz, neue Anlagen sollen in Kooperation mit dem Versorger EWS Schönau gebaut werden.

Die französische Variante zu WEtell ist der Anbieter TeleCoop, Kunden aus Großbritannien können Phone Co-op nutzen. In anderen europäischen Ländern gibt es noch keine Anbieter, die mit WEtell vergleichbar sind. Möglicherweise ändert sich das in Zukunft durch die Aktivitäten von FairTEC.

Nicht verpassen: WEtell Rabattaktion

WEtell bietet aktuell einen Rabattcode für Neu- und Wechselkunden an. Alle Infos findest Du in unserem Beitrag.

Infovideo: WEtell – Mobilfunk geht auch nachhaltig

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Commown

Logo Commown - Für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Elektronik.
Ein globaler Wandel, der zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Elektronikgeräten führt – das ist die Vision von Commown.

Das Fairphone einfach mieten? Das funktioniert bei dem französischen Dienstleister Commown. Für aktuell 19,80 Euro im Monat (Stand 06/2021) kann das Fairphone 3 gemietet werden. Die Mietdauer ist auf ein Jahr ausgelegt. In der Gebühr ist ein Versicherungspaket integriert, sodass die Kunden im Schadensfall Leistungen wie Reparaturen und Austausch, Akkuwechsel und Diebstahlschutz in Anspruch nehmen können. Ganz im Sinne der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft möchte es Commown erreichen, dass Smartphones so lang wie möglich repariert und weiter vermietet werden können.

/e/OS

Logo e Foundation
Die Mission der e Foundation: Technologie, die die Privatsphäre Ihrer Nutzer respektiert, für jede:n zugänglich zu machen.

Das französische Open Source Betriebssystem basiert auf dem Konzept von Android und ist mit allen mobilen Anwendungen kompatibel. Im Fokus steht die Privatsphäre der Nutzer. Denn dieses System speichert nur die absolut notwendigsten Daten der User ab, was unnötige Werbung vermeidet. Ziel: Eine echte Alternative zu Apple und Google bieten.

Fazit

Radikale Veränderungen kommen nicht über Nacht. Doch wichtig ist es, die ersten Schritte zu gehen. FairTEC ist dabei, Kompetenzen zu bündeln und eine zentrale Anlaufstelle für Verbraucher zu werden, die einfach besser und nachhaltiger telefonieren wollen. Sicher bleibt es spannend zu beobachten, was die Initiative in Zukunft alles in Europa rund um grüne Telefonie bewegen wird.

Weiterführende Informationen

Beitragsbild: © Mark Nazh / shutterstock.com

Written by Redaktion